2016 nähert sich rasch und damit auch der automatische Informationsaustausch samt Ende des Bankgeheimnis. Der Common Reporting Standard wird als Meilenstein zur Bekämpfung der Steuerflucht gefeiert und kaum ein Land kann sich ihm entziehen. Selbst die letzten klassischen Offshore-Finanzplätze wie Panama und die Cook-Inseln sind mittlerweile vor der OECD eingeknickt. Freilich bleibt ihnen selbst viel Interpretationsspielraum innerhalb des CRS-Abkommens, weshalb man etwaige Konten jetzt nicht panisch verlagern sollte. Geschäftskonten unter 250.000€, die vor dem Stichtag 31.12.2016 eröffnet werden, werden ohnehin nicht erfasst. Damit bleibt ungleich anderer Länder, bei denen die Frist in 2 Wochen endet, noch genug Zeit sich an entsprechenden Plätzen aufzustellen.

Freilich sollte man dies mit Vorsicht betrachten, weil die Firmenkonten-Regelung das größte Schlupfloch im gesamten automatischen Informationsaustausch ist. Staatenlos rechnet damit, dass die aktuelle Gesetzeslage nicht lange Bestand haben wird. Seine finanzielle Privatsphäre zu wahren ist allenfalls noch in den Ländern möglich, die nicht das Abkommen zum automatischen Informationsaustausch unterschrieben haben. Und das sind einige.

Zwar wird mit dem CRS das Bankgeheimnis an fast allen Offshore-Finanzplätzen weltweit beendet, allerdings nur an jenen, die in der Regel auch von Offshore-Agenturen angeboten werden. So hat es vor allem die Karibik-Region hart getroffen, in der fast alle Länder dem Informationsaustausch zugestimmt haben. Von den Karibik-Inseln nicht dabei sind lediglich Kuba, Dominikanische Republik, Haiti und europäische Überseegebiete – alles Gebiete, in denen man von ihrer politischen und wirtschaftlichen Situation her wohl kaum sein Geld lassen möchte.

 

Einziger Profiteur ist hier das zur USA gehörende Puerto Rico, das durchaus zur neuen Steueroase in der Karibik werden könnte.

 

Doch Karibik ist nur ein kleiner Teil der Welt. Und auch wenn langfristig bis zu 120 Staaten den Informationsaustausch umsetzen möchten, so bleiben immer noch mehr als genug Staaten, die es nicht tun. In der Regel, weil ihnen nicht zugetraut wird die Technik dafür umzusetzen. Schließlich handelt es sich meist um Entwicklungsländer. Das bedeutet auf der anderen Seite auch, dass sie bisher weitgehend unter dem Radar flogen. Mit so viel Auswahl an stabilen, wirtschaftlich gut aufgestellten Offshore-Finanzplätzen hat es überhaupt keinen Sinn gemacht, sein Geld in folgende Länder zu bringen. Im Zuge des Ende des Bankgeheimnisses kann sich die ganze Sache aber verschieben.

Nicht nur die größte Steueroase der Welt – die Vereinigten Staaten von Amerika – werden von dem CRS-Abkommen profitieren, sondern auch eine kleine Anzahl von Staaten, die bisher unter dem Radar flogen, von ihrer politischen und wirtschaftlichen Entwicklung und Stabilität aber durchaus einen guten Bankenplatz abgeben könnten.

Im Gegenzug zu Offshore-Inseln sind diese Staaten meist „onshore“. Ihre Banken bieten selten klassische Offshore-Dienstleistungen, was Vor- wie Nachteile hat. Vorteile neben dem Bankgeheimnis sind oft sehr hohe Zinsen und niedrigere Gebühren, was aber definitiv mit dem höheren Risiko eines Totalausfalls einhergeht.

In diesem Artikel möchte ich mich 7 Ländern widmen, in denen dieses Risiko da ist, aber relativ überschaubar ist. Während die Gegner des Bankgeheimnisses über den weltweiten Informationsaustausch jubeln, möchte ich mit 7 Ländern aus allen verschiedenen Weltregionen dagegen halten. Die ganze Welt ist mitnichten einem automatischen Informationsaustausch unterworfen. Aber – wie wir leider sehen werden – ist der Common Reporting Standard auch nicht alles, sondern muss ergänzt mit anderen Abkommen betrachtet werden, von denen Deutschland jede Menge hat.

Wie immer gilt, dass sämtliche Informationen keinerlei Anreiz zur Steuerflucht bieten sollen.

 

Früher oder später wird es jeden erwischen, der versucht sein Geld zu verstecken.

 

Trotzdem sehe ich das Recht auf Privatsphäre, insbesondere auch auf finanzielle Privatsphäre, hier auf Staatenlos als wesentlich an. Allen die schon ob des Ende des Bankgeheimnisses verzweifelten, möchte ich hier mit Auswege aus der Situation bieten. Das sich dies je Land auch schnell ändern kann möchte ich nicht ausschließen.

 

CRS ist nicht alles: andere Abkommen zum Informationsaustausch

So darf man nicht nur den Common Reporting Standard beachten, sondern muss sich auch mit anderen Mechanismen zum  Informationsaustausch auseinandersetzen. Das sind zum einen die TIEAs – Tax Information Exchange Agreements – und zum anderen auch die Doppelbesteuerungsabkommen.

Was Deutschland angeht, gibt es nur relativ wenige TIEAs, die bald ohnehin durch den CRS ersetzt werden. TIEAs wurden von Offshore-Plätzen auf der „Schwarzen Liste der OECD“ benutzt, ihre schlechte Reputation los zu werden. Nach Abschluss von 12 solcher Abkommen wurden sie von der Schwarzen Liste entfernt. Vor allem die skandinavischen Staaten waren hier in der Regel fast immer am Werk und haben haufenweise TIEAs abgeschlossen. Deutschland hingegen beschränkte sich bisher auf Anguilla, Bermuda, Cayman Islands, Gibraltar, Guernsey, Isle of Man, Jersey, Liechtenstein, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadine sowie die Turks and Caicos.

Deutlich mehr Abkommen hat Deutschland im Bereich der DBAs. Doppelbesteuerungsabkommen sind ein spannendes Thema für sich, dem wir uns auf Staatenlos noch widmen werden. Aufgesetzt um Doppelbesteuerung zwischen 2 Ländern zu vermeiden sind sie auch ein Vehikel zur legalen Steueroptimierung. Nicht außer Acht lassen sollte man aber, dass mittels solcher Abkommen auch Informationen ausgetauscht werden, die für die Klärung der Steuerangelegenheiten beider Länder wesentlich sind. Während dies nicht zwingend der Fall ist, ist es mit vielen Ländern üblich. Explizit findet man etwa auch die Klausel zur Amtshilfe in Steuersachen im Vertrag mit der Schweiz wie auch in sehr vielen anderen Ländern. Meist ist dies Artikel 27 im Doppelbesteuerungsabkommen.

Insgesamt hat Deutschland 128 Doppelbesteuerungsabkommen irgendeiner Art abgeschlossen, was ergänzt mit dem OECD-Informationsaustausch für eine weltweite Abdeckung sorgen könnte. Und tatsächlich fallen durch Klauseln im Doppelbesteuerungsabkommen einige interessante Länder weg, die ich nichtsdestotrotz zum Banking empfehlen würde. Da ist etwa Georgien, wo man von extrem hohen Zinsen und anderen sehr guten Angeboten profitiert. Oder beliebte ostasiatische Länder wie Thailand oder Taiwan. Folgende Grafik zeigt dabei recht gut die Abdeckung allein durch Doppelbesteuerungsabkommen (widerspricht allerdings den Abkommensverträgen bei einigen Ländern, die eigentliche Abdeckung in Informationsaustausch ist noch deutlich größer).

 

Bleiben also leider nur noch sehr wenige Länder übrig, in der man als in Deutschland steuerpflichtiger Bürger von der Schnüffelei sicher ist.

 

Finanzielle Privatsphäre kann man eigentlich nur noch finden, indem man sein Heimatland verlässt und sich in einen neuen, non-invasiven oder am besten gleich steuerfreien Land niederlässt.

 

Doch an dieser Stelle winken immer noch 7 Länder, in denen eine Konto-Eröffnung zu finanzieller Privatsphäre führen könnte.  Die 7 Länder sind gerankt nach politischer und wirtschaftlicher Stabilität und damit Risiko dort ein Konto zu eröffnen. Ich werde nur kurz auf die einzelnen Länder eingehen und 1-2 Banken empfehlen, die vielleicht einer weiteren Recherche lohnen.

 

7 Länder, in denen das Bankgeheimnis weiterhin gilt

 

  1. Vanuatu

Vanuatu ist einer dieser kleinen Offshore-Finanzplätze, die sich standhaft weigern das Abkommen zum Automatischen Informationsaustausch zu unterschreiben. Was vielleicht auch an ihrer geografischen Lage liegt. Mitten im Pazifik – fernab von der Welt – aber mit Offshore-Dienstleistungen als einzige veritable Einnahmequelle – lässt sich Vanuatu selbst vomn großen Druck der OECD nicht klein kriegen. Ungleich pazifischen Offshore-Plätzen wie Niue und den Cook-Inseln, die mit Neuseeland assoziiert sind, ist Vanuatu unabhängig und kann sich dies eher erlauben

Ob viele diese Standhaftigkeit zu schätzen wissen ist aber eher zweifelhaft, obwohl keine Kapitalertragssteuern locken. Politische und wirtschaftliche Stabilität ist relativ zu anderen Pazifik-Inseln zwar besser, Banking im Land aber immer noch mit hohem Risiko behaftet. So hat das Land eine lange Geschichte plötzlich verschwundener Banken und entzogener Lizenzen. Eine Bank in Vanuatu zu eröffnen bleibt nämlich auch sehr einfach. Mehr als 500.000€ Kapital, das im Ausland gehalten werden kann, sind nicht dafür nötig.

So gibt es weiterhin einen Haufen an Banken in Vanuatu. In Offshore-Kreisen am beliebtesten sind wohl die Pacific Private Bank .

 

  1. Paraguay

Paraguay hat zwar ein DBA mit Deutschland, gibt aber keine Konteninformationen weiter. Seit jeher beliebt zum Auswandern wegen seiner leichten Daueraufenthaltsgenehmigung und Möglichkeit zur zweiten Staatsbürgerschaft, sollte man das Land auch in Hinsicht auf Auslandskonten nicht abschreiben.

Wie Guatemala gibt es einige nationale und internationale Banken, bei denen man vorstellig werden könnte. Oft geht dies nur als Permanent Resident, was auf der anderen Seite wiederum sehr einfach zu beantragen ist. Eine veritable Option ist etwa die Interfisa Banco.

Zinsen sind hoch im Land, das politisch relativ stabil ist. Eine 30-prozentige Kapitalertragssteuer und Quellensteuer machen es aber eher unattraktiv.

 

  1. Libanon

Einst war der Libanon ein bekannter Finanzplatz. Beirut – das Paris des Nahen Ostens – war ein beliebtes Ziel zur Vermögenssicherung. Spätestens seit dem Bürgerkrieg und der eintretenden regionalen Instabilität hat sich dies jedoch gewandelt. Mittlerweile quillt das Land über mit syrischen Flüchtlingen, wird von wöchentlichen Terror-Anschlägen heimgesucht und ist politisch äußerst instabil. Nichtsdestotrotz nennen weiter Banken den Libanon ihr zu Hause, die gar keine so schlechte Wahl darstellen. So kann man Libanon weiterhin ein äußerst striktes Bankgeheimnis nachsagen, während die Kapitalertragssteuer von 10% ebenfalls verschmerzbar ist, vor allem bei potentiell hohen Zinsen.

Die Bank der Wahl ist vermutlich Banque Audi.Eine Eröffnung ist generell schwierig und erfordert eine höhere Mindesteinlage, bietet aber die Vorteile einer am besten kapitalisierten Banken des Nahen Ostens, extrem guten Zinsen und guter Betreuung.

 

  1. Guatemala

Fast die gesamte Karibik macht beim automatischen Informationsaustausch mit – aber nur fast. Ein Karibik-Anrainer, das mittelamerikanische Guatemala hält sich vom Informationsaustausch mit sehr vielen Ländern fern. Nicht nur ein wunderbares Reiseland (Staatenlos war selbst 1 Monat da), entwickelt sich das Land auch wirtschaftlich sehr gut.

Unter den Banken hat man eine große Auswahl. Sie sind alle relativ gut entwickelt und müssen sich vor ihren Nachbarn aus etwa Belize keineswegs verstecken. Auch Guatemala hat eine Kapitalertragssteuer von 10%.

 

  1. Botswana

Banking in Afrika? Warum nicht. Gerade wenn es sich um Botswana handelt, dem Musterland Afrikas in der wirtschaftlichen Entwicklung. Botswana hat den wohl freiesten Markt aller afrikanischen Länder und genießt eine wirtschaftliche Entwicklung. die das Land bereits recht wohlhabend gemacht hat. Mit dem höchsten Kreditrating in Afrika ist auch die Gefahr recht gering, dass die örtlichen Banken geplündert werden oder eine Hyperinflation wie im benachbarten Simbabwe das Geldvermögen zerstört.

Kapitalertragssteuern befinden sich mit vielen Ausnahmen und Deduktionen bei etwa 15%. Eine der Offshore-Banken Botswanas ist etwa die Kingdom Bank.

 

  1. Bahrain

Bahrain – das kleine ölreiche Land im Persischem Golf ist schon längere Zeit ein kleiner, aber feiner Offshore-Finanzplatz. Während das Öl langsam zur Neige geht, hat sich bereits eine blühende Finanzindustrie herausgebildet, vor allem durch Kapitalflucht aus dem instabilen Libanon bestärkt. Als eines der fast völlig steuerfreien Ländern bietet Bahrain so einige Anreize auch über ein Konto im Land nachzudenken. Die Eröffnung hier ist wieder etwas komplizierter, aber keine Kapitalertragssteuern wie auch ein intaktes Bankgeheimnis locken natürlich. Privatkonten für Nicht-Residenten sind allerdings sehr schwierig. Leichter fällt es etwa über eine Gründung regionaler Offshore-Unternehmen im Land selbst oder den Vereinigten Arabischen Emiraten an ein Geschäftskonto zu kommen. Bahrain bietet eine Vielzahl von Banken, etwa die BMI Bank.

 

  1. Vereinigte Staaten von Amerika

Den ersten Platz nimmt natürlich die größte Steueroase der Welt ein – die USA.

Zwar tauschen die USA munter Informationen aus, in der Regel aber nur ihre eigenen Staatsbürger betreffend. Mit Deutschland gibt es zwar einen Informationsaustausch hinsichtlich von Privatkonten, Geschäftskonten sind aber nicht betroffen. Kombiniert mit der extrem simplen und günstigen Eröffnung einer steuerfreien LLC in den USA (etwa Delaware oder Wyoming) lassen sich so Geschäftskonten bei vielen großen und nicht so großen Banken eröffnen, deren Daten nicht mit anderen Ländern ausgetauscht werden. Einziges Manko ist, dass man zur Eröffnung eines Geschäftskontos persönlich vor Ort erscheinen muss. Dann ist, was die Dokumentation angeht, das ganze aber eine relativ einfache Sache, insbesondere wenn das eigene Unternehmen in den USA sitzt.

Die einzige Gefahr auf die USA zu setzen besteht langfristig. China und Russland arbeiten daran die amerikanische Hegemonie durch den US-Dollar abzulösen, indem sie Parallelstrukturen weltweit aufbauen. Bis die „Neue Seidenstraße“ mit all ihren Institutionen aber für Ärger in den USA sorgen wird, werden noch 5-10 Jahre vergehen. Natürlich bereitet auch die Geldpolitik der Fed sorgen, doch auch die wird das Land kurzfristig noch nicht ins Chaos stürzen. Außerdem geht es hier ja um das Bankgeheimnis, das fortan wohl das beste bietet ohne dabei große Nachteile zu haben. Ein US-Konto ist schließlich voll reputabel. Wie kann ein Land, das seine Inländer steuerlich so sehr verfolgt, schon ein Steuerparadies für Ausländer sein?